Kinderpastoral in den Philippinen

Ein bewegender Bericht unserer Projekt-Referentin Ursula Schulten über ihren Projektbesuch in den Philippinen.

Die Philippinen, mit Tausenden von Inseln, sind ein Land voller Gegensätze. In den Großstädten schießen Glastürme in die Höhe, die Straßen sind voll, Autobahnen kreuzen sich auf mehreren Ebenen. Und nur wenig abseits davon leben tausende Menschen in Slums, weil sie von diesem Wohlstand abgehängt sind.

In Manilas Armenvierteln sind Sr. Ruth, Jana und Emma aktiv. Die Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen sind Teil eines großen und innovativen Programms der Schwestern: die Salvatorianische Kinderpastoral (Salvatorian Pastoral Care for Children, SPCC). „Bereits seit 2005 begleiten wir Kinder und Frauen, die ausgegrenzt sind, auf ihrem Weg zu einem Leben in Fülle, wie es allen Menschen zusteht“, erklärt Sr. Ruth den Leitgedanken des Programms mit Fachkräften und vielen Freiwilligen, das sie leitet.

Lichtvolle Momente

Unser erstes Ziel liegt in den Außenbezirken in Hafennähe. Die Menschen in den großen Armenvierteln Manilas leben in einfachsten Behausungen, in Hütten, Zelten und oft abenteuerlich errichteten Unterkünften. Kinder leiden besonders unter den Folgen der Armut ihrer Eltern. Sie besuchen keine Schule, weil sie arbeiten müssen, oft sogar unter gefährlichen Bedingungen. Nicht selten schleppen sie nachts Kisten, packen auf dem Großmarkt mit an, suchen im Müll nach Brauchbarem. Der Alltag vieler ist von Gewalt bestimmt. Sie sind sexuellem Missbrauch ausgesetzt, auch aufgrund des weitverbreiteten Drogenkonsums. Diejenigen, die versuchen davonzulaufen, landen meist auf der Straße und sind dort völlig schutzlos.

Doch es gibt auch hier die lichtvollen Momente: Menschen, die nicht aufgeben, die füreinander da sind und die auf eine bessere Zukunft hoff en. Einer davon ist Angelo. Er bringt seinen kleinen Bruder Bayanai mehrmals in der Woche zu Sr. Anita. Gemeinsam mit Freiwilligen und Sozialarbeitern nutzt sie zwei kleine Räume mitten im Slum. Dort können die Kinder, spielen und zugleich lernen. Sie spüren Zuwendung und erfahren, dass ihr Leben wertvoll ist. Und ganz wichtig: immer gibt es eine warme Mahlzeit! Gerade feiern Bayanai und seine Freunde den 2. Platz, den sie mit einem Theaterstück gewonnen haben.

Ermutigung und Zuversicht

Ganz spontan fragt mich ein Junge: „Bist du reich?“ Tatsächlich muss ich einen Moment überlegen, was ich antworte. Ja, ich bin reich, verglichen mit dem, was diese Kinder und Familien zum Leben haben. „Hast du ein schönes Haus?“ Ich habe zwar kein Haus, aber ein sicheres und behagliches Zuhause. Und dann nimmt der Junge mich an der Hand und führt mich durch ein Gewirr von Gassen zu einer kleinen Hütte aus Holzbrettern und Plastik. „Mein Zuhause“, sagt er stolz, „ich bin auch reich!“

Ich bin Sr. Ruth und ihren Mitschwestern dankbar, dass sie einen solchen Ort des Schutzes, der Ermutigung und der Zuversicht geschaff en haben. Die intensive Arbeit mit Eltern ist ebenfalls ein wichtiger Baustein: Seminare zum Thema Erziehung, häusliche Gewalt und Kinderschutz sind Teil der Kinderpastoral.

Leben ist an jedem Ort, auch auf dem Friedhof

Das Team der Salvatorianerinnen nimmt mich mit zu einem der großen Friedhöfe der Stadt. Hier leben über 400 Familien. Solarlampen spenden Licht, Wasser gibt es an Hydranten am Eingangstor. Eine Gruppe Kinder erwartet schon ungeduldig den Lesebus, mit dem wir unterwegs sind. Auch er gehört zur Kinderpastoral der Schwestern. „Bei dieser Aktion hören wir Kindern beim Vorlesen zu und ermutigen sie zum Sprechen. Sie lernen, dass sie eine Stimme haben und sich mitteilen können“, erläutert Jana, die Psychologin. Neben dem Lesebus sind auch mobile Schulprogramme fester Bestandteil der Arbeit – ob im Gemeindezentrum, inmitten der Slums oder im Container am Rande der Müllkippe.

„Vergiss meinen Namen nicht“

Auf Santiago Island, im Nordwesten der Hauptinsel Luzon, habe ich nach dem Gottesdienst mit Kindern der Gemeinde gesprochen. Die erste Zurückhaltung wich nach kurzer Zeit, und die Kinder wurden mutiger. Sie stellten Fragen, lachten, erzählten und füllten den Raum mit ihrer Lebendigkeit. Es war eine wunderbare Begegnung voller Vertrauen und Nähe. Als ich mit den Schwestern aufbrechen wollte, hörte ich von allen: „Vergiss mich nicht. Denk an mich. Vergiss meinen Namen nicht.“ Diese Sätze klingen bis heute in mir nach. Sie erinnern daran, wie sehr jeder Mensch gesehen werden möchte und wie bedeutsam echte Aufmerksamkeit ist.

Ich empfi nde diese Begegnungen als Geschenk. Und Bekräftigung. Dazusein für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern, sie inmitten aller Herausforderungen zu fördern, zu ermutigen und zu begleiten – dafür machen sich die Salvatorianerinnen auch dank Ihrer fi nanziellen Unterstützung täglich auf den Weg.

Danke für Ihre Treue, Ihr Vertrauen und dass Sie Gottes Liebe und Gegenwart in so vielen Regionen dieser Welt spürbar machen.

„Vergiss meinen Namen nicht. Diese Sätze klingen bis heute in mir nach.
Ursula Schulten

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